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ELISA, die blinde Katze mit dem immerwährenden Lächeln
Eigentlich wollte ich kein weiteres Tier mehr aufnehmen, unsere kleine Familie hatte mit drei Katzen bereits seit Jahren einen harmonischen, zufriedenen Idealstand erreicht.
Dann aber sah ich im Tierheim ELISA, eine kleine Katze, die ohne Augen, stimmlos und mit nur einem süßen Schwanzstummelchen ausgestattet, hoffnungsvoll auf ihre Chance im Leben wartete.
Ich beschloss, nach langem Nachdenken und Absprachen mit meinem Partner, das Wagnis aufzunehmen, einer behinderten Katze eine lebenswerte Zukunft zu bieten. Meine bepelzte "Altgarde" kenne ich nun ja so gut, um einschätzen zu können, dass sie eine neue Mitbewohnerin problemlos integrieren.
Trotzdem haben meine Fellnasen mich noch überrascht: "Iwan", mein gar nicht schrecklicher 7-Kilo-Mega-Prachtkater, hat sich auf den zweiten Blick über beide Ohren verliebt - naja, der erste Blick fiel zunächst mit einem Schnuppern und beleidigten Fauchen auf das Fraule... Er hat die Kleine danach aber sofort adoptiert, betüttelt, behütet, bekuschelt, beschleckt und beschützt. Außerdem lehrt er ihr jeden Tag neue Sachen - meist natürlich nur den Blödsinn, bei dem die "Dosis" gewöhnlich mit einem deutlichen "NEIN!!!" einschreiten...
Es ist eine Freude zu sehen, wie rührend mein "Ersatz-Papa" das Kind beschäftigt. Er liegt gerne mitten auf dem Boden und schwingt seinen Schwanz hin und her, der dann als "Beute" lange Zeiten von ELISA belauert, besprungen und gefangen wird.
Sollte es ihm zuviel werden reagiert er nicht etwa böse - nein, er zieht sich einfach auf einen hohen Schrank zurück, auf dem ihn die kleine, blinde Maus nicht folgen kann.
Der Schrank muss aber wirklich hoch sein, denn ELISA hat schon lange Sofa, Sessel, Betten und Kratzbaum erobert, selbst die hohe Sessellehne erklimmt sie und springt, ohne zu zögern, problemlos wieder runter.
Die anderen beiden Zicken-Damen zeigen sich auch ungewöhnlich rücksichtsvoll. Sie finden ELISA jetzt zwar nicht unbedingt Mega-Klasse, aber sie akzeptieren sie und lassen ihr in allen Bereichen den Vortritt. Sie spüren wohl, dass das behinderte Kätzchen keine wirkliche Konkurrenz darstellt und müssen nicht um ihre angestammten Rechte fürchten.
Innerhalb ihres gewohnten Bereiches bewegt sie sich sicher, selbstsicher, angstfrei und lebensfroh. Außenstehende können gar nicht glauben, dass diese Katze wirklich blind ist... Manchmal vergessen wir es selber... (Allerdings vermeide ich es auch, jede Woche dreimal die Wohnung neu umzuräumen.)
ELISA kriegt von uns keine Pseudo-mitleidige Sonderbehandlung, sie wird hier wie jede andere Katze geführt und bekommt nur dann Hilfestellung, wenn sie von sich aus ihren Bedarf anmeldet. Anfangs sah es so aus, dass sie zunächst "getopft" werden musste... Sie zeigte durch Unruhe und Zappeligkeit, dass sie "müssen" muß und wurde dann auf das Katzenklo gesetzt. Sehr schnell hat sie gelernt, jedes einzelne meiner vier Klos in den verschiedenen Räumen selbständig zu finden. Sie hat noch NIE (!!!) ihr "Geschäftle" daneben gemacht und da könnten sich meine sehenden Racker ab und zu mal ein Beispiel nehmen...
In der Wohnung selber fand sie sich auch erstaunlich schnell zurecht. Zur Eingewöhnung kroch ich auf allen Vieren vor ihr und lockte sie mit Schnalzlauten hinter mir her. Später lockte ich sie nur noch aus der Ferne an die verschiedensten Punkte. Sie hört auf einen besonderen Schnalzlaut (manchmal auch nicht - wie alle Katzen hat auch sie ihren eigenen Kopf...) aber der bewährteste Elisa-Lockruf ist ihr Lieblingsspielzeug. Es gibt bei leichtem Antippen Quieklaute von sich, auf die sie mehr oder weniger sofort angetappt kommt. Was natürlich mit viel Lob und Streicheleinheiten augenblicklich belohnt wird.
Natürlich habe ich meinen behinderten Goldschatz auch radikal unterschätzt. Neugierig wie Katz nun mal ist, hat sie eigenständig alles erkundet. Ich bin ihr lediglich still hinterher um aufzupassen, das sie in keine gefährliche Situation gerät.
Ja, ich war damals viel unterwegs. Außerdem fand sie sehr schnell die allerbesten Verstecke und ich meine Mini-Katze nicht mehr! Nun, auf Lockruf kam sie ja aber ich wollte schon wissen, wo sie überhaupt steckt. Ich war also viel auf der Suche und erstaunt darüber, wie viele Schlupfwinkel meine Wohnung tatsächlich bietet.
Insgesamt kam sie sehr schnell bestens zurecht, ein Unfall ist Toi-Toi-Toi! noch nie passiert. Sie ist noch nie abgestürzt, da ist sie sehr, sehr vorsichtig, und sie verschätzt sich nur selten in ihren Wegen. Dann rennt sie gelegentlich gegen den Türrahmen. Meistens, wenn sie es besonders eilig hat und leichtsinnig wird. Darauf wird sie wieder besonnener, es passiert dann lange Zeit nicht mehr.
ELISA ist ein Goldschatz, den keiner hier mehr missen und hergeben möchte. Natürlich macht ein behindertes Tier mehr Arbeit als ein sog. "normales" und benötigt mehr Aufmerksamkeit, Zuwendung, Beobachtung und Beschäftigung. ELISA ist ansonsten zum Glück rundum gesund und bedarf deshalb keiner höheren TA-Kosten, wie jede andere meiner Katzen auch. Und selbst wenn gesundheitliche Probleme einen regelmäßigen Aufwand an Arztbesuchen darstellen würden, wäre dies niemals ein kritischer Punkt für mich.
Durch ihre fröhliche, lebensfrohe Art gibt ELISA alles, was sie erfährt, doppelt und dreifach zurück. ELISA lebt gerne und zeigt dies 24 Stunden am Tag.
Aber nicht nur für uns "Dosis" ist Elli eine traumhafte Bereicherung, vor allem Iwan hat eine Freundin fürs Leben gefunden. Für ihn freut es mich besonders, denn seine Liebe zu meinen zwei Lady-Zicken wurde ja nie so recht erwidert... ELISA darf er knuddeln und knutschen und mit ihr spielen. Manchmal sieht es sehr gefährlich aus, wenn der Riesenkater mit dem Zwerg Katzen-Judo veranstaltet. Jeder Insider muß dann lachen wenn er erst erkennt, dass Elli diejenige ist, die sich mit Furore auf den fast viermal so schweren Jungen stürzt...
Wir alle hoffen, dass alle Tiere im Heim eine Chance auf ein tolles Leben bekommen. Besonders die Alten und die mit einem Handicap.
LG, Heidrun und ihre fröhliche Sechser-WG
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