Landestierschutzverband Baden-Württemberg e.V.

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DJ Seidel
erstellt am: 17.08.2002
aktualisiert am: 10.03.2012

Nico

Hallo Leute !

Kennt ihr mich noch?
Richtig! Ich bin es – euer Nico!

Einer der absoluten Lieblingshunde
bei den vielen ehrenamtlichen
Spaziergängern hier im Biberacher
Tierheim.

So lieb und unproblematisch ich bei den zahlreichen Spaziergängen auch
gewesen bin; waren meine Vermittlungschancen nie sonderlich rosig.

Ich weiß schon gar nicht mehr, auf wie vielen Hilfe–Seiten mein Foto zu
sehen war; leider immer ohne Erfolg.

Warum? Nun, sagen wir mal so: Sobald ich mich ein wenig eingelebt
habe, versuche ich meinen eigenen Kopf durchzusetzen.
Nicht selten kam dabei mein wunderbares Cocker-Gebiss zum Einsatz.

Ein paar hundeliebe Menschen haben es mit mir dennoch versucht;
konnten mich jedoch nicht von ihren Qualitäten als Rudelführer
überzeugen. Also übernahm ich das Rudel und schon nach kurzer Zeit,
saß ich wieder bei meinen alten Kumpels im Tierheim-Zwinger.

Tja, so war das. So fristete ich Jahr für Jahr im Tierheim und die einzige
Abwechslung waren wechselnde Zwinger–Genossen.  

Doch am 10.09.2008 geschah etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte.

Eine meiner Pflegerinnen kam nach dem Frühstück in den Zwinger und
holte mich. Gemeinsam gingen wir vor in die Tierartzpraxis und ich
stellte mich schon auf einen dieser öden und meist unangenehmen
Besuche ein. Doch dieses Mal war es anders.

Zwar musste ich wieder auf diesen verhassten Untersuchungstisch,
doch anstatt an mir rumzufingern und mich zu piesacken, geschah nichts dergleichen.
Ehe ich mich versah, stand ich wieder mit allen vier Pfoten auf dem
Boden und nur einen Augenblick später war ich wieder draußen.

Ich nahm das ganze Geschehen mit einem Schulterzucken zur Kenntnis.
Wer versteht schon die Denkweise von Zweibeinern?

Doch damit nicht genug. Anstatt mich wieder in meinen Zwinger zu
bringen, verließen wir das Tierheimgebäude ganz und ich durfte in ein
großes Auto einsteigen. Autofahren kannte ich – dennoch war es
aufregend.
Schließlich wurde ich zu dem Ort gebracht, den ich heute mein Zuhause  nenne. Ja, richtig. Mein Zuhause.

Ich wohne jetzt in Erolzheim – einem kleinen Ort nicht weit von der
bayrischen Grenze entfernt.

Nach anfänglichem Gehorsam versuchte ich auch hier, meine Interessen
mit allen Waffen, die so einem kleinen Hund wie mir zur Verfügung
stehen, durchzusetzen.

Ich begann, heftig das Bett zu verteidigen, nahm das Sofa in Beschlag
und gehorchte nicht, wenn es darum ging, wieder aus dem Auto
auszusteigen. Ich zeigte Zähne!

Doch die Rechnung hatte ich ohne mein neues Frauchen gemacht.
Aus dem Schlafzimmer flog ich Achtkant raus, ähnlich war es beim Sofa
und in Sachen Auto, begriff ich sehr schnell, dass mein Frauchen da gar
keinen Spaß verstand.
Ich glaube ich habe in meinem ganzen Hundeleben noch nie solch einen
Ärger bekommen, wie
in diesen drei Situationen.

Mein Frauchen machte mir auch in anderen Angelegenheiten klar, dass
nur ihre Regeln galten und so bekam ich die Chance, zu lernen.
Und genau das tat ich – selbst mit meinen 13 Hundejahren noch.

Heute – zwei Monate nach meiner Vermittlung – bin ich wahrhaftig ein
festes Mitglied der Familie Schindler.
Man hat mich einfach so genommen, wie ich bin.
Mit all meinen Macken und Launen.

Ins Tierheim komme ich immer noch, aber nur um mein Frauchen zur
Arbeit zu begleiten und weil ich weiß, dass es am Abend wieder nach
Hause geht.
Nach Hause – es gab Zeiten, da glaubte ich nicht mehr daran...

In diesem Sinne

Euer Nico

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