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So lieb und unproblematisch ich bei den zahlreichen Spaziergängen auch gewesen bin; waren meine Vermittlungschancen nie sonderlich rosig.
Ich weiß schon gar nicht mehr, auf wie vielen Hilfe–Seiten mein Foto zu sehen war; leider immer ohne Erfolg.
Warum? Nun, sagen wir mal so: Sobald ich mich ein wenig eingelebt habe, versuche ich meinen eigenen Kopf durchzusetzen. Nicht selten kam dabei mein wunderbares Cocker-Gebiss zum Einsatz.
Ein paar hundeliebe Menschen haben es mit mir dennoch versucht; konnten mich jedoch nicht von ihren Qualitäten als Rudelführer überzeugen. Also übernahm ich das Rudel und schon nach kurzer Zeit, saß ich wieder bei meinen alten Kumpels im Tierheim-Zwinger.
Tja, so war das. So fristete ich Jahr für Jahr im Tierheim und die einzige Abwechslung waren wechselnde Zwinger–Genossen.
Doch am 10.09.2008 geschah etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte.
Eine meiner Pflegerinnen kam nach dem Frühstück in den Zwinger und holte mich. Gemeinsam gingen wir vor in die Tierartzpraxis und ich stellte mich schon auf einen dieser öden und meist unangenehmen Besuche ein. Doch dieses Mal war es anders.
Zwar musste ich wieder auf diesen verhassten Untersuchungstisch, doch anstatt an mir rumzufingern und mich zu piesacken, geschah nichts dergleichen. Ehe ich mich versah, stand ich wieder mit allen vier Pfoten auf dem Boden und nur einen Augenblick später war ich wieder draußen.
Ich nahm das ganze Geschehen mit einem Schulterzucken zur Kenntnis. Wer versteht schon die Denkweise von Zweibeinern?
Doch damit nicht genug. Anstatt mich wieder in meinen Zwinger zu bringen, verließen wir das Tierheimgebäude ganz und ich durfte in ein großes Auto einsteigen. Autofahren kannte ich – dennoch war es aufregend. Schließlich wurde ich zu dem Ort gebracht, den ich heute mein Zuhause nenne. Ja, richtig. Mein Zuhause.
Ich wohne jetzt in Erolzheim – einem kleinen Ort nicht weit von der bayrischen Grenze entfernt.
Nach anfänglichem Gehorsam versuchte ich auch hier, meine Interessen mit allen Waffen, die so einem kleinen Hund wie mir zur Verfügung stehen, durchzusetzen.
Ich begann, heftig das Bett zu verteidigen, nahm das Sofa in Beschlag und gehorchte nicht, wenn es darum ging, wieder aus dem Auto auszusteigen. Ich zeigte Zähne!
Doch die Rechnung hatte ich ohne mein neues Frauchen gemacht. Aus dem Schlafzimmer flog ich Achtkant raus, ähnlich war es beim Sofa und in Sachen Auto, begriff ich sehr schnell, dass mein Frauchen da gar keinen Spaß verstand. Ich glaube ich habe in meinem ganzen Hundeleben noch nie solch einen Ärger bekommen, wie in diesen drei Situationen.
Mein Frauchen machte mir auch in anderen Angelegenheiten klar, dass nur ihre Regeln galten und so bekam ich die Chance, zu lernen. Und genau das tat ich – selbst mit meinen 13 Hundejahren noch.
Heute – zwei Monate nach meiner Vermittlung – bin ich wahrhaftig ein festes Mitglied der Familie Schindler. Man hat mich einfach so genommen, wie ich bin. Mit all meinen Macken und Launen.
Ins Tierheim komme ich immer noch, aber nur um mein Frauchen zur Arbeit zu begleiten und weil ich weiß, dass es am Abend wieder nach Hause geht. Nach Hause – es gab Zeiten, da glaubte ich nicht mehr daran...
In diesem Sinne
Euer Nico
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